mausblond

Beiträge mit dem Hashtag: #film
[Filter aufheben ×]
Eintrag vom 26.07.2026 21:32

Was haben wir gelacht

Aran und ich haben "Was haben wir gelacht" (2026) im Kino geschaut. In dem Dokumentarfilm blicken Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Bettina Böttinger, Gaby Köster und Esther Schweins zurück auf das Unterhaltungsfernsehen der 1990er und 2000er Jahre, besonders Comedy-Sendungen. Die Protagonistinnen hatten alle seit Beginn ihrer Karrieren als Fernsehkomikerinnen mit einem sexistischen System zu kämpfen. Anpassen und aushalten von dummen, frauenfeindlichen Sprüchen und unkonsensuellen Berührungen wurde erwartet und belohnt. In der Doku wird das natürlich, unter anderem, mit Szenen aus "Wetten das...?" mit Thomas Gottschalk illustriert, in denen junge Frauen irritiert gucken, während Gottschalk sie betatscht. So seien aber eigentlich alle gewesen, heißt es von den Kommentatorinnen. Auch rassistische und homophobe Jokes von Harald Schmidt wurden gezeigt (mir war gar nicht klar, dass der so war). Heute haben viele der Frauen präzisere Worte für das Erlebte und analysieren es treffend als unfaire, gemeine, sexistische Scheiße. Als Scherze über sexuelle Belästigung, Vergewaltigung und Femizide, die auch damals nicht in Ordnung waren. Ich kannte viele der Namen nicht und war überrascht, welche Sexismus-kritischen Sketche Maren Kroymann in den Neunzigern schon machte. Auch, dass Hella von Sinnen von Anfang an "Haltung" hatte, wie sie es formuliert, sich nichts gefallen lies und dummen Männersprüchen Kontra gab, war mir so nicht klar. Kroymann wird im Interview mit einem problematischen Sketch konfrontiert, in dem sie sich über die häusliche Gewalt lustig macht, die Verona Feldbusch erlitten hat. Während des Interviews verteidigt sie das Gesagte zunächst, dann überlegt sie und erkennt später, dass es nicht in Ordnung war. Sie durchmacht vor der Kamera einen Reflexionsprozess, den viele ihrer männlichen Kollegen ihr ganzes Leben nicht auf die Kette bekommen haben. Dabei zuzusehen ist irgendwie heilsam. Überhaupt ist es irgendwie heilsam, die schockierten Gesichter dieser zum Teil älteren Frauen über die damaligen Zustände zu sehen, die sie nun aber kritiseren und einordnen können. Ich wollte den Film gerne sehen, weil ich immer noch Bedarf an machtkritischer Aufarbeitung dummer deutschsprachige Popkultur habe, wie sie auf RTL oder Pro7 lief. Insbesondere aus der Zeit, in der ich barely conscious war, aber viel Fernsehen geschaut habe und natürlich zu jung war, um das Gesehene zu reflektieren. Dafür war die Doku tatsächlich ziemlich gut. Dank der Doku weiß ich einmal mehr, dass diese Zeit eine sexistische Hölle mit ganz eigenem, spezifischen Flavour war (andere Zeiten sind es auch, aber eben mit anderem Flavour, vielleicht). Schade war, dass der chronologische Aufbau suggerierte, dass die Entwicklung bis heute thematisiert werden würde. Der Film endete aber quasi nach der Verona Feldbusch und Alice Schwarzer-Konfrontation. Schade, eigentlich. #doku #film
Eintrag vom 20.07.2026 20:27

Dirty Dancing, der feministische Film

Weiter gehts mit der Krankheits-Unterhaltung. In der Arte-Mediathek gibt es gerade eine Doku namens "Dirty Dancing": Romantik, Drama, Tanz!". Darin erzählen die Producerin Linda Gottlieb und die Drehbuchautorin Eleanor Bergstein von der Entstehung des Films. Bergsteins eigene Erlebnisse als junge, jüdische New Yorkerin der Upper Class in einem Ferienressort in den Catskill Mountains sind in den Film eingeflossen. Die Doku war mega unterhaltsam. Ich habe Dirty Dancing vorher schon als feministischen Abtreibungs-Film wahrgenommen, aber wie sehr das alles Absicht war, war mir gar nicht klar. Der Film wurde von über 40 Filmstudios abgesagt: "Den Subtext haben sie bestimmt nicht kapiert, sonst hätten sie erst recht abgelehnt" sagt Bergstein dazu. "Eine Romanze, in der eine junge Frau ihre Sexualität entdeckt, während eine andere sich zur Abtreibung entschließt, spricht in Hollywood niemanden an", heißt es in der Doku. Bergstein berät heute Studierende, wie sie am besten ihre subversiven Themen in Drehbüchern durchbekommen, ohne, dass sie gestrichen werden. Eine Anekdote, die bei mir hängen blieb: Für die Szene nach Pennys Abtreibung musste Bergstein die Schauspielerin wohl dreimal zurück in die Maske schicken, weil sie zu gut aussah. Bergstein musste der Maskenbildnerin erklären: "Sie hat eine illegale Abtreibung hinter sich, sie verblutet und stirbt!". Über Pennys Rolle im Film heißt es, sie sollte "wie eine Prinzessin aus der Arbeiterklasse" aussehen. Die Drehbuchautorin bekam wohl auch zu hören, dass Thema Abtreibung sei im Jahr 1987 sowieso nicht mehr aktuell, weil seit 14 Jahren legalisiert. Daher auch kein spannendes Material für einen Film. "Aber ich fand, man weiß nie". Well. #doku #film
Eintrag vom 09.07.2026 22:02
Blog-Bild

Rosalie

Heute habe ich "Rosalie" (2023) in der Arte-Mediathek geschaut. Die Taz nennt den Film ein feministisches Historiendrama, das sehe ich auch so. Also voll mein Jam. Die junge, schöne Rosalie lebt um 1870 irgendwo auf dem Land in Frankreich. Sie ist sehr behaart und hat einen Bart, den sie zunächst rasiert. Doch sie wird selbstbewusster, rasiert sich nicht mehr und verdient Geld mit ihrem Aussehen. Dafür bekommt sie zunächst positive Resonanz. Das kippt aber schnell wegen ihres selbstbewussten Auftretens, was ja an keiner Frau gerne gesehen wird. Bei den Kostümen wurde alles richtig gemacht. Zeitgemäß für die 1870er. Rosalie ist geschmackvoll gekleidet, sticht damit heraus in dem kleinen Dorf. Das ist harte Arbeit: Man sieht sie abends ihre Kleider nähen. Sie zuppelt sich öfters in den Haaren herum, als Haarschmuck trägt sie dezente Blumen. Diese Frau trägt einen Bart, aber ihr Haar ist immer hochgesteckt, wie es sich für eine Frau ihrer Zeit gehört. Sie macht so einiges, was sich nicht schickt, aber da zieht sie die Grenze. Offene Haare sieht man in diesem Film keine. I love it. #film
Eintrag vom 09.07.2026 14:30
Blog-Bild

Everything Everywhere All at Once

Ich habe mit Aran "Everything Everywhere All at Once" (2022) geschaut. Ich wollte den Film mögen. Die chinesisch-amerikanische Familie, um die es geht, gibt auch wirklich viel guten Stoff. Die Mutter-Tochter-Beziehung. Aber ich mag Sci-Fi einfach nicht und noch weniger mag ich Action-Filme. Zeitsprünge, Randomness, sehr viel Gekämpfe und Gefuchtel, alles sehr bunt und sehr viel. Und ich weiß wirklich nicht, warum dieser Film so viel Action haben musste, mir war es jedenfalls zu viel. Ich kann einfach nicht aufmerksam bleiben, wenn wild gefuchtelt und gesprungen wird. Es langweilt mich sofort und ich lasse mich ablenken. Ich habe dabei wahrscheinlich viele gute Dinge verpasst. Es ist bestimmt ein guter Film, aber nicht für mich. #film
Eintrag vom 02.07.2026 22:13
Blog-Bild

The Ugly Stepsister

Wir haben "The Ugly Stepsister" (2025) aus der Bibliothek ausgeliehen, ein international-norwegischer Body-Horror-Film, der lose an das Märchen Aschenputtel angelehnt ist. Ein Film, dem die Gewalt tatsächlich gut tut - die Erzählung ist ansonsten eher platt. Ich bin nicht empfindlich was Horrorfilme angeht, aber hier wurde mir schlecht. Bei einem Film, der im Grunde Schönheitsideale für Frauen satirisch mit einer Body-Horror-Szene nach der anderen zuspitzt, finde ich das eigentlich ein gutes Statement. Braucht es mehr Filme, die die Brutalität und Absurdität von Diet Culture und Schönheits-OPs thematisieren? Wahrscheinlich schon. Der Film sagt: Der Prinz ist am Ende eh ein Arsch und schöner als die natürlich Schönen wird man eh nicht. Huh. Ein persönliches Minus: Ich hatte ein Period Drama erwartet, es war aber ein uninformiertes Kostümdrama. Ich hasse es, wenn Moden aus komplett unterschiedlichen Dekaden durcheinandergeworfen werden. #film