Eine Frau namens Naddel
Ich habe während des Urlaubs die fünf Folgen des SZ-Podcasts “Eine Frau namens Naddel” gehört und, man kann es sich denken, es war depressing.
Die feministische Aufarbeitung der boulevardmedialen Berichterstattung über Nadja Abd el Farrag und ihrer on-off Beziehung mit Dieter Bohlen ist wirklich sehr gelungen. Ich habe in zu jungen Jahren viel zu viel RTL geschaut und empfinde solchen Content fast schon als therapeutisch. Ich erinnere mich sogar, irgendwann in der Grundschule (?) diesen schrecklichen Zeichentrick-Film über Dieter Bohlens Leben gesehen zu haben. Die sexistischen Darstellungen von Frauen als “Luder”, Golddigger oder gescheiterte und peinliche Ex-Frauen und -Freundinnen in der Bildzeitung, RTL Exclusiv oder im Dschungelcamp hatte ich absolut verdrängt, waren aber definitiv akustischer Backdrop meiner Kindheit, denn der Fernseher lief irgendwie immer, egal wo.
Wobei die analytische Arbeit dann irgendwie auch schnell gemacht ist. Die Beiträge über Naddel von den Neunzigern bis, naja, eigentlich bis zuletzt, waren sexistisch, unfair, brutal. Es ist schockierend, wie mit dem Thema häusliche Gewalt umgegangen wurde. Wie insbesondere männliche Moderatoren mit ihr umgingen. Man möchte sich nicht ausmalen, was das mit Frauen gemacht hat, die ähnliches Zuhause erlebten, aber diesen Mist im Fernsehen serviert bekamen.
Was auch schlimm ist: Ihr Leben scheint erstaunlich schnell auserzählt zu sein. Abusive Partner, toxische Beziehung, Mittellosigkeit, Substanzprobleme. Struggle. Die Autorin hat sich noch die Mühe gemacht, ein uplifting Ende zu formulieren. Sie hatte ja ein wildes Leben, und auch Pferde und Hunde. Ich weiß ja nicht. Wie überhaupt fünf Folgen zusammenkamen, ist mir ebenfalls unklar. Deprimierend. Hoffentlich blieben die vielen guten Dinge einfach nur privat, oder so.
#medien